»low probability – high consequence«
Mit dieser Überschrift lässt sich das derzeitige Altschneeproblem im Hochgebirge gut beschreiben. Gefahrenstellen sind zwar selten. Aber wenn es zur Auslösung kommt, können Schneebrettlawinen gefährlich groß werden.
Tourenverhältnisse
In den Bayerischen Voralpen machen Skitouren mittlerweile am meisten in Kombination von Bike & Ski Sinn, wie z.B. im Mangfallgebirge wo vom Schinderkar recht gute Verhältnisse gemeldet wurden. Alternativ könnt ihr auch Pisten der oft schon geschlossenen Skigebiete nutzen.
In den nördlichen Kalkalpen sind noch viele hochgelegene, nordseitige Skitouren möglich. Bei tieferen Startpunkten ist auch dort eine Skipisten-Benutzung, wie z.B. Grünsteinumfahrung (Mieminger Gruppe) sehr hilfreich.
Auch am Alpenhauptkamm solltet ihr nicht zu tief starten. Dort sind Südhänge ebenfalls bis in größere Höhen meist aper. Und selbst an nordseitigen Hüttenzustiegen, wie z.B. an der Franz Senn Hütte muss man an manchen Passagen schon die Ski tragen.
Auf Gletschertouren müsst ihr euch weiter sehr gut über die oft heikle Spaltensituation erkundigen. Direkt am Hauptkamm und südlich davon ist die Spaltensituation etwas besser als weiter nördlich. So ist der Taschachferner (nahe der Wildspitze) sehr gering, der Langtaler Ferner (nahe der Hochwilde) einigermaßen gut eingeschneit.
Die Schneesituation dürfte sich vor allem in den Nordalpen am Wochenende ändern.
Lawinenverhältnisse
Für die deutschen, schweizerischen und österreichischen Alpen wurde für Donnerstag eine mäßige Lawinengefahr (Stufe 2) ausgegeben. In der Ortler-Gruppe und in den Dolomiten herrscht hingegen eine erhebliche Gefahr (Stufe 3). Dort bildet Triebschnee die Hauptgefahr und es sind mittlere und vereinzelt große Schneebrettlawinen möglich.
Auch in den Gebieten mit mäßiger Lawinengefahr sind wiederum Schwachschichten im Altschnee heimtückisch, wie ein Unglück am Schalfkogel (Ötztaler Alpen) von Montag bei Lawinenstufe 2 zeigte.
Zudem sind im Tagesverlauf mittlere bis große Nass- und Gleitschneelawinen möglich.
Während am Freitag vor allem der tageszeitliche Anstieg der Nassschnee-Lawinengefahr zu beachten ist, wird am Samstag vor allem an der Alpennordseite die Gefahr durch trockene Lawinen deutlich ansteigen.
Wochenendwetter
Der Freitag bringt in den Ostalpen sonniges und stabiles Bergwetter. Nachmittags zieht aus Nordwesten sowie aus Südosten Bewölkung auf. Der Wind dreht auf Nordwest und legt deutlich zu. Beides kündigt einen Wetterumschwung an, der in der Nacht auf Samstag mit einer Kaltfront im Norden und Westen Schnee bis unter 1000 m herab und Sturm auf den Bergen bringt.
Am Samstag ist es nördlich des Hauptkamms trüb und ab dem Nachmittag bis in die Nacht auf Sonntag ist von den Nordstaulagen bis zum Alpenhauptkamm starker Schneefall möglich (Schneefallgrenze ca. 1000 m, Neuschneemengen 20 und 40 cm mit Maxima im Nordstau). Bei starkem Wind liegt die Nullgradgrenze knapp unter 2000 m.
Am Sonntag klingen die Schneeschauer von Westen her ab, es bleibt zunächst aber noch unbeständig und winterlich kalt. Erst am Nachmittag gibt es Auflockerungen. Am meisten Sonne gibt es auf der Alpensüdseite.
Fazit
In Sachen Lawinengefahr und Bergwetter dürfte der Freitag gute Verhältnisse für eine klassische, hochgelegene Frühjahrsskitour bieten … zu der ihr freilich möglichst früh aufbrecht.
Der Sonntag ist ebenfalls keine schlechte Wahl. Am letzten Tag der Woche wird es allerdings windig und spätwinterlich kalt. Wie genau die Lawinengefahr mit dem Neuschnee ansteigt, ist am heutigen Donnerstag schwer einzuschätzen. Also müsst ihr am Vorabend bei der Tourenplanung die Entwicklung der Lawinensituation ganz genau im Blick haben. Zudem solltet ihr bei der Abfahrt (einmal mehr) auf vom Neuschnee verdeckte Steine und Felsen achten.