Vorsicht auf den Gletschern!
Der Powder vom letzten Wochenende ist angesichts der wieder hohen Touren wohl Geschichte. Deswegen macht es Sinn, sich möglichst weit nach oben zu begeben. Allerdings ist auf den Gletschern die Spaltensturzgefahr nicht zu unterschätzen.
Tourenverhältnisse
Am Bayerischen Alpenrand sind am vergangenen Wochenende etwa 20 cm Neuschnee gefallen, so dass zu Wochenbeginn dort sogar wieder Skitouren, wie am Spitzingsee möglich waren. Mittlerweile sind Südhänge zumeist wieder bis auf eine Höhe von ca. 1500 m schneefrei.
Auch südlich des Inns hatten sich die Schneeverhältnisse etwas verbessert, so dass bis Mittwoch recht guter Powder zum Beispiel aus den Kitzbüheler und Tuxer Alpen gepostet wurde. Allerdings muss man auch hier weiterhin hochgelegene Ausgangspunkte anvisieren, wobei man bis auf eine Höhe von ca. 1500 m am besten Forststraßen benutzt.
Der Neuschnee hat allerdings den Nachteil, dass er im - nach wie vor unterdurchschnittlich gut eingeschneiten - Blockgelände Felsen und Steine tückisch verdeckt.
Auch auf den Gletschern des Alpenhauptkamms ist die Schneelage für März unterdurchschnittlich. Deswegen ist die Spaltensturzgefahr alles andere als zu unterschätzen. Auch weil die Schneedecke bis zum Boden bzw. Gletschereis oft aufbauend umgewandelt ist. Durch diesen nicht miteinander verbundenen Schwimmschnee kann man relativ leicht bis an die Basis durchbrechen.
Lawinenverhältnisse
Während in Bayern, Vorarlberg, Tirol und dem Bundesland Salzburg für Donnerstag eine maximal mäßige Lawinengefahr (Stufe 2) ausgegeben wurde, liegt diese in der Schweiz südlich des Alpenhauptkamms, sowie in Südtirol - also ebenfalls südlich des Hauptkamms - bei Stufe 3 (erhebliche Lawinengefahr).
In den kritischen Gebieten fiel letzte Woche viel Schnee. Dieser liegt vor allem an Schattenhängen auf einer ungünstigen, kantig aufgebauten Altschneeoberfläche und ist dort teils störanfällig. Nördlich des Alpenhauptkammes sind dünne Triebschneeschichten der letzten Woche nur noch vereinzelt störanfällig.
Zum Wochenende nimmt die Gefahr von trockenen Lawinen weiter ab. Mit der Erwärmung sind aber vermehrt Nass- und Gleitschneelawinen im Tagesverlauf zu erwarten.
Wochenendwetter
Der Freitagvormittag verläuft in den Ostalpen wolkenlos, nur über den Bündner und Bergamasker Alpen tauchen hohe Wolkenfelder auf. Mit auflebendem Süd- bis Südwestwind erreichen die Wolken in großer Höhe am Nachmittag den Westen und Südwesten, östlich der Linie Berchtesgadener Alpen - Karawanken bleibt es wolkenlos. Die Temperatur pendelt auf 2000 m um 5°C.
Mit kräftigem Südwestwind stauen sich samstags südlich des Hauptkamms dichte Wolken, Nebel sorgt für eingeschränkte Sichten. An der Alpennordseite bleibt es trocken und es wird nach Abzug anfänglicher Wolken oft sonnig. Die Nullgradgrenze liegt zwischen 2000 m und 2500 m. Durch den starken Südwind fühlen sich die Temperaturen deutlich kälter an.
Der Sonntag wird in den Südalpen trüb mit teils ergiebigen Niederschlag, der bei schwächer werdendem Föhneinfluss auch auf die Alpennordseite übergreift. Nachmittags gibt es eine Niederschlagsberuhigung und Auflockerungen.
Auch die Westalpen sind von der Föhnlage mit Nord-Süd-Gegensatz geprägt.
Fazit
Am Bayerischen Alpenrand machen Ski- und Snowboardtouren angesichts der Schneelage und der hohen Temperaturen kaum Sinn. Deswegen ist es keine schlechte Idee, wenn ihr euch zu hochgelegenen Zielen am Alpenhauptkamm aufmacht. Allerdings solltet ihr wegen des tageszeitlichen Anstiegs der Lawinengefahr auch dort möglichst früh unterwegs sein.
Bei Gletscherhochtouren müsst ihr euch unbedingt vor Ort (Hüttenwirte, Bergschulen, etc.) gut über die jeweilige Spaltensituation erkundigen. Im Zweifelsfalle steigt ihr am Seil eingebunden nicht nur auf, sondern fahrt angeseilt auch ab. Was allerdings Erfahrung und eine gute Skitechnik erfordert. Ab Freitag müsst ihr am Alpenhauptkamm zudem mit starkem Föhn rechnen.