Triebschnee trifft heiklen Altschnee
Endlich haben die Nordalpen teils ergiebigen Neuschnee abgekriegt. Dadurch stieg aber auch die Lawinengefahr deutlich an. Der Powder vom Sonntag ist wegen des Tauwetters leider Vergangenheit.
Schneesituation
Am Alpenrand und in den Nordalpen hat sich die Schneelage in der zweiten Wochenhälfte deutlich erhöht. Dort fiel bis Sonntag im Allgäu, in den Lechtaler Alpen oder im Verwall oft mehr als ein halber Meter Neuschnee. Auch weiter östlich gab es nennenswerten Schneezuwachs. So stieg die Schneehöhe an der Messstation Spitzingsee von 11 cm am 7.1. auf 62 cm am 11.1. an.
Noch größer waren einmal mehr die Neuschneefälle in der Schweiz, wo von Mittwochabend bis Sonntagmorgen oberhalb von 1400 m am Nördlichen Alpenkamm 80 cm bis 120 cm Schnee fielen.
Das seit Montag bestehende Tauwetter hat die Schneehöhen an den Bayerischen Messstationen allerdings um durchschnittlich 15 cm reduziert. Tief gelegene Skitouren wie das Hörnle (Ammergauer Alpen), das am Sonntag besten Powder (allerdings ohne Unterlage) bot, sind daher nicht mehr möglich. Entsprechend hat sich auch die Schneequalität unterhalb von 1600 m (der ungefähren Höhe der Schneefallgrenze am Montag) verschlechtert. Der nasse Schnee dürfte bei kommenden Frostnächsten wohl einen Harschdeckel bekommen.
Immerhin hat sich die Schneelage dahingehend verbessert, dass auch weiter östlich gelegene Tourenklassiker wie der Juifen (Karwendel) möglich sind. Allerdings ist dort der Gipfelrücken wiederum abgeweht, was bei vielen exponierten Kämmen der Fall ist.
Am österreichischen und schweizerischen Alpenhauptkamm liegt weiterhin unterdurchschnittlich viel Schnee.
Lawinenlage
Die Kombination aus ergiebigen Neuschnee und starkem Wind führte am vergangenen Wochenende zu einer teils großen Lawinengefahr (Stufe 4). Am 11. Januar meldete allein die Leitstelle Tirol 15 Lawinenabgänge mit Personenbeteiligung. Die tatsächliche Anzahl an personenausgelösten Lawinen war wohl um ein Vielfaches höher. Ein Lawinenabgang in den östlichen Tuxer Alpen Ost verlief tödlich.
Für den heutigen Donnerstag wurde in großen Teilen der Schweiz und Österreichs eine erhebliche Lawinengefahr (Stufe 3) ausgegeben. Ausnahmen davon sind mit Stufe 2 (mäßige Gefahr) u.a. die östlichen Ötztaler Alpen, sowie die Stubaier und Kitzbüheler Alpen. In Deutschland besteht in den Allgäuer Hochalpen ebenfalls eine erhebliche Gefahr (Stufe 3), wohingegen ab dem Ammergebirge ostwärts eine mäßige Gefahr (Stufe 2) ausgeben wird.
In den kritischen Gebieten liegen Neu- und Triebschnee liegen verbreitet auf einer schwachen Altschneedecke. Die verschiedenen Triebschneeansammlungen sind oft schlecht mit dem Altschnee verbunden. In mittlere Lagen (1000 m bis 2000 m) können sich zudem nasse Lawinen im sehr steilen Gelände aller Expositionen von selbst lösen.
Die Lawinengefahr soll laut Bayerischem Lawinenwarndienst in den nächsten Tagen langsam zurückgehen.
Wochenendwetter
Am Freitag stellt sich an der Nordseite der Ostalpen eine föhnige Wetterlage ein, während sich im Süden und am Alpenhauptkamms dichtere Wolken ausbreiten. Tagsüber bleibt es an der Alpennordseite freundlich mit Sonne und zeitweiliger hoher Bewölkung. Die Temperatur liegt bei lebhaftem Südwestwind auf 2000 m zwischen -4°C und 4°C.
Am Samstag bleibt die föhnige Südwestströmung vom Rätikon bis zu den Hohen Tauern bestehen. Vom Oberengadin bis zu den Bergamasker Alpen können hingegen Niederschläge dabei sein. Sonst ist es in den meisten Regionen trocken. Die Temperatur steigt in den Föhnregionen etwas an.
Auch am Sonntag bleibt es nördlich des Alpenhauptkamm trocken und eher sonnig.
In den südlichen Westalpen sowie am Schweizer Alpenhauptkamm kann es am Wochenende hingegen ergiebige Schneefälle geben (Schneefallgrenze zwischen 1100 m und 1600 m). Am Schweizer Alpennordhang bleibt es mit Südföhn trocken.
Fazit
Für Skitouren müsst ihr wieder höhere Ausgangspunkte anvisieren und mit eher schwerem Schnee rechnen. Vor allem aber müsst ihr die Lawinengefahr sehr gut im Blick haben. In den besonders neuschneereichen Gebieten der Schweiz und im Westen Österreich könnte die Lawinengefahr auch am Wochenende noch erheblich (Stufe 3) sein. Dort ist in Sachen Risikomanagement eine sehr defensive Tourenplanung angesagt. Den aktuellen Lawinenlagebericht müsst ihr also ganz genau studieren. Beim Freeriden solltet ihr in den kritischen Gebieten bereits eingefahrene Variantenabfahrten in Betracht ziehen.
Größere Skitouren am Alpenhauptkamm sind sowohl von der Schneelage als auch von der Wetterlage (der Hauptkamm dürfte im Wolkenstau liegen) am Wochenende eher nicht angesagt.