Mobilität in Europa – Eine Bereicherung für junge Menschen

JDAV Positionspapier

Mobilität in Europa – Eine Bereicherung für junge Menschen

Die Europäische Union hat über die letzten Jahrzehnte viele Errungenschaften erreicht, die die Freizügigkeit von Personen in Europa stärken. Insbesondere jungen Menschen wird dadurch ermöglicht, sich über Staatsgrenzen hinweg zu begegnen und vielfältige Erfahrungen zu sammeln. Das fördert den kulturellen Austausch und stärkt nachhaltig den Bund der europäischen Staaten. Für uns als junge Bergsteiger*innen ist es heute selbstverständlich, uns frei im Alpenraum zu bewegen – einem Gebiet, das sich über menschengemachte Grenzen erstreckt und wo diese an Bedeutung verlieren.

Die Mobilität junger Menschen in Europa steht heute jedoch auch vor vielfältigen Herausforderungen. Trotz der grundsätzlichen Freizügigkeit innerhalb der EU bestehen nach wie vor erhebliche Hürden bei der grenzüberschreitenden Mobilität, beispielsweise durch einen mangelhaften Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel. In manchen Bereichen erleben wir auch Rückschritte, wie die Einführung und Verschärfung angeblich temporärer Grenzkontrollen. Wir fordern einen Abbau dieser Hindernisse.

Das Erasmus+-Programm als zentrales Mittel der Jugendförderung muss noch mehr junge Menschen erreichen und unsere europäischen Werte weiterhin in den Mittelpunkt stellen.

Jugendaustausch stärkt den europäischen Zusammenhalt

Das Erasmus+-Programm bietet jungen Menschen durch finanzielle Förderung die Chance, an einer Mobilität teilzunehmen. Dadurch leistet es einen wichtigen Beitrag zur Stärkung junger Menschen in ihrer persönlichen Entwicklung sowie zur europäischen Solidarität. Jedoch erreicht das Programm aktuell nur 15 % der jungen Menschen in Europa. Jugendverbände spielen eine wichtige Rolle im Erasmus+-Programm, da sie jungen Menschen die Teilhabe unabhängig von ihrem persönlichen Hintergrund und Bildungsweg ermöglichen. Die EU-Kommission plant jedoch den bisherigen Programmteil Erasmus+ Jugend, der Jugendverbände und nichtformale Bildung finanziert, im nächsten mehrjährigen Finanzrahmen (MFR) abzuschaffen. Zudem soll das Programm stärker in den Kontext der Wettbewerbsfähigkeit gerückt werden.

Wir fordern eine Verdreifachung der Mittel im nächsten mehrjährigen Finanzrahmen der EU ab 2028, um mehr junge Menschen zu erreichen. Darüber hinaus müssen Antragsverfahren einfach gehalten sein. Jugendorganisationen als selbstorganisierte Stätten junger Menschen müssen als wichtige Akteure anerkannt werden und weiterhin für sie ausgewiesene Mittel erhalten. Auch das Erasmus+-Programm selbst muss partizipativ gestaltet sein und die direkte Beteiligung junger Menschen fest verankert sein. Zudem muss Erasmus+ weiterhin vorrangig die Förderung europäischer Werte im Fokus haben und darf nicht auf die Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit der EU reduziert werden. Das Programm muss inklusiv und allen jungen Menschen zugänglich sein.

Grenzüberschreitende öffentliche Verkehrsmittel ermöglichen nachhaltige Mobilität

Die Mitglieder der Europäischen Union kooperieren grundsätzlich bei ihrer gemeinsamen Verkehrsplanung. Es werden gemeinsame Standards definiert und Fördermittel für länderübergreifende Infrastrukturprojekte bereitgestellt. Gerade im Bereich der öffentlichen Verkehrsmittel mangelt es jedoch bisher an einer klaren Strategie, um Fahrpläne und Ticketsysteme aufeinander abzustimmen.

Wir fordern, dass das Verkehrsnetz in der Europäischen Union durch eine umfassende Strategie für öffentliche Verkehrsmittel deutlich verbessert wird. Die Einführung eines europaweiten Ticketsystems ist hierfür ein wichtiger Baustein. Wir begrüßen das Vorhaben der EU-Kommission, eine “Single Digital Booking and Ticketing Regulation” einzuführen. Diese Regulierung muss auch bei internationalen Zugreisen die Fahrgastrechte absichern und eine einfache Buchung ermöglichen, um Zugreisen attraktiver zu machen.

Auch Fahrpläne müssen so abgestimmt werden, dass Reisen über Landesgrenzen problemlos möglich sind. Wir fordern die Einführung von mehr internationalen Bus- und Bahnlinien auch im Nahverkehr der Grenzregionen, insbesondere im Alpenraum als wichtigem Tourismusstandort. Dies muss von einer Erhöhung der Fördermittel der EU für diese Projekte begleitet werden.

Wir fordern ein gemeinsames Nahverkehrsticket für die Alpenregion. Um einen ersten Schritt in diese Richtung zu machen, fordern wir die Integration grenznaher Regionen unserer Nachbarländer in das Deutschland-Ticket. Wir fordern zudem attraktivere Ticketangebote für Jugendgruppen, die ihre Gruppenanreise mit dem ÖPNV planen. Bus und Bahn müssen auch für Gruppen finanziell kompetitiv sein.

Grenzkontrollen untergraben die Europäische Idee

An der österreichischen Grenze werden bereits seit 2015 Kontrollen durchgeführt. Diese wurden im Oktober 2023 und im September 2024 schrittweise auf allen deutschen Grenzen ausgeweitet. Die Befristungen der angeblich temporären Grenzkontrollen werden immer weiter verlängert. Seit Mai 2025 werden auch Asylsuchende an den Grenzen zurückgewiesen. An dieser Praxis hält die Bundesregierung trotz Gerichtsurteilen gegen Zurückweisungen fest.

Die Wiedereinführung systematischer Grenzkontrollen untergräbt die gelebte Freizügigkeit und europäische Idee und schränkt junge Menschen in ihrer Mobilität – und damit in Bildung, Arbeit, kulturellem Austausch sowie ihrer persönlichen und beruflichen Entwicklung – erheblich ein. Davon betroffen sind täglich Millionen Menschen, die Grenzen im Schengenraum überqueren.

Wir fordern ein Ende der Grenzkontrollen und eine Rückkehr zu einem offenen Schengenraum. Asylsuchenden und allen anderen muss ein rechtsstaatliches Verfahren garantiert sein. Deutschlands Umgang mit offenen Grenzen und dem Rechtsstaat hat Signalwirkung in ganz Europa.

Beschlossen durch die Bundesjugendleitung am 19.07.2025.